Mechanische Sicherungstechnik
Mechanische Sicherungstechnik bildet die Grundlage eines umfassenden Sicherheitskonzepts. Ein zentrales Element sind Schließsysteme, die in verschiedenen Ausführungen existieren. Ein Profilzylinder-Schließsystem kann als Doppelzylinder oder Halbzylinder ausgeführt sein. Der Doppelzylinder ermöglicht die Schlüsselbetätigung von beiden Türseiten, während der Halbzylinder nur von einer Seite mit einem Schlüssel bedient werden kann, die andere Seite ist mit einem festen Vierkantstift versehen.
In hierarchisch aufgebauten Schließanlagen spielt der Generalhauptschlüssel (GHS) eine entscheidende Rolle. Er kann sämtliche Zylinder einer Anlage öffnen, während Gruppen- und Einzelschlüssel nur bestimmte Bereiche oder einzelne Türen öffnen. Im Gegensatz dazu steht die Gleichschließung, bei der ein Schlüssel mehrere gleichrangige Zylinder öffnet, ohne eine hierarchische Struktur abzubilden.
Ein weiteres wichtiges Element der mechanischen Sicherung sind einbruchhemmende Türen und Fenster, die nach DIN EN 1627 in Widerstandsklassen (RC) eingeteilt werden. Diese Klassen, von RC1N bis RC6, basieren auf der Widerstandszeit, also der Zeit, die ein Prüfer mit einem definierten Werkzeugsatz benötigt, um das Bauteil zu überwinden. Die Polizei empfiehlt für den privaten Wohnbereich häufig die Widerstandsklasse RC2 als Mindeststandard.
Fluchttürverschlüsse sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der mechanischen Sicherung. Nach DIN EN 179 und DIN EN 1125 unterscheiden sie sich in ihrer Anwendung: EN 1125 ist für Paniktüren in Bereichen mit großem Publikumsverkehr ausgelegt, während EN 179 für Notausgänge in Bereichen mit einem eingewiesenen Personenkreis gedacht ist.
Poller und Perimeterschutzanlagen wie Zäune sind weitere mechanische Sicherungselemente. Poller sichern Zufahrten gegen unbefugtes Eindringen von Fahrzeugen und können in versenkbarer Ausführung für berechtigten Verkehr abgesenkt werden. Perimeterschutzanlagen sichern die Außengrenze eines Objekts und sollen Eindringversuche frühzeitig erkennen und den Zeitaufwand für Täter erhöhen.
Elektronische Sicherungstechnik
Elektronische Sicherungstechnik ergänzt die mechanischen Maßnahmen und umfasst Zutrittskontrollsysteme (ZKS) und Gefahrenmeldeanlagen. Ein ZKS regelt und protokolliert, welche Person zu welcher Zeit welchen gesicherten Bereich betreten oder verlassen darf. Zu den Kernkomponenten eines ZKS gehören Identmedien, Leser, Steuerung/Software und mechanische Verriegelungen. Rauchmelder gehören hingegen zur Brandmeldetechnik und nicht zur Zutrittskontrolle.
Personenvereinzelungsanlagen, wie Sicherheitsschleusen und Drehkreuze, verhindern unautorisiertes Mitgehen und lassen jeweils nur eine berechtigte Person passieren. Diese Anlagen sind ein wichtiger Bestandteil der Zutrittskontrolle.
Gefahrenmeldeanlagen
Gefahrenmeldeanlagen umfassen Einbruchmeldeanlagen (EMA) und Überfallmeldeanlagen (ÜMA). Eine EMA erkennt unbefugtes Eindringen über Melder wie Öffnungskontakte und Bewegungsmelder und löst Alarm aus. Eine ÜMA hingegen wird gezielt von Personen ausgelöst, meist als stiller Alarm, um den Täter nicht zu alarmieren.
Die Sicherungsgrade nach DIN EN 50131 klassifizieren Einbruch- und Überfallmeldeanlagen nach dem eingeschätzten Täterrisiko von Grad 1 (niedrig) bis Grad 4 (hoch). Ein klassischer Passiv-Infrarot-Bewegungsmelder (PIR) erfasst Veränderungen der von Körpern abgestrahlten Infrarotstrahlung, während Dual-Technologie-Melder, die PIR mit Mikrowellentechnologie kombinieren, Fehlalarme reduzieren.
Magnetkontakte überwachen Türen und Fenster, indem sie eine Unterbrechung des Magnetfelds beim Öffnen melden. Glasbruchmelder analysieren das Schallspektrum beim Zerbrechen von Glas, während Riegelschaltkontakte die Stellung des Schließriegels überwachen. Sabotagekontakte melden Manipulationsversuche an der Anlage selbst.
Überwachungskonzepte
Ein umfassendes Überwachungskonzept umfasst die Außenhautüberwachung, die Fallenüberwachung und die Raum-/Objektüberwachung. Die Außenhautüberwachung sichert Türen und Fenster, die Fallenüberwachung sichert Bereiche, die ein Eindringling durchqueren muss, und die Raum-/Objektüberwachung schützt einzelne Wertbehältnisse.
Die Scharfschaltung einer EMA aktiviert deren Überwachungsfunktion, sodass eine Melderauslösung zur Alarmweiterleitung führt. Im unscharfen Zustand ist die Anlage außer Betrieb. Eine sorgfältige Alarmverifikation ist wichtig, um Fehlalarme zu reduzieren und unnötige Einsätze zu vermeiden.
Notruf- und Serviceleitstellen
Eine Notruf- und Serviceleitstelle (NSL) nimmt Alarmmeldungen entgegen, prüft sie und leitet je nach Alarmplan die passenden Schritte ein, wie das Entsenden eines Interventionsdienstes oder die Information der Polizei. Private Interventionskräfte handeln im Rahmen der Jedermannsrechte, da sie keine hoheitlichen Befugnisse besitzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Mechanische Sicherungstechnik umfasst Schließsysteme, einbruchhemmende Türen und Fenster, Fluchttürverschlüsse, Poller und Perimeterschutz.
- Elektronische Sicherungstechnik ergänzt mechanische Maßnahmen durch Zutrittskontrollsysteme und Gefahrenmeldeanlagen.
- Einbruchmeldeanlagen erkennen unbefugtes Eindringen, während Überfallmeldeanlagen gezielt von Personen ausgelöst werden.
- Gefahrenmeldeanlagen werden nach DIN EN 50131 in vier Sicherungsgrade eingeteilt.
- Ein umfassendes Überwachungskonzept umfasst Außenhaut-, Fallen- und Raum-/Objektüberwachung.
- Notruf- und Serviceleitstellen koordinieren die Reaktion auf Alarmmeldungen.
- Private Interventionskräfte handeln im Rahmen der Jedermannsrechte.